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20.12.2016  Thailand: Greenpeace beklagt anhaltende Menschenrechtsverletzungen

Thailand: Greenpeace beklagt anhaltende Menschenrechtsverletzungen

In der thailändischen Fischindustrie soll es weiterhin Menschenrechtsverletzungen geben. Das behauptet Greenpeace Südostasien in einem jetzt veröffentlichten Bericht "Turn the Tide". (Foto: Cover des Berichts)
In der thailändischen Fischindustrie soll es weiterhin Menschenrechtsverletzungen geben. Das zumindest behauptet die Umweltorganisation Greenpeace in einem jetzt veröffentlichten Bericht, dem zwölf Monate lange Recherchen vorausgingen, schreibt das Portal IntraFish. Demnach fahren thailändische Schiffe inzwischen tausende von Kilometern, um sich den neuen Fischereiregularien zu entziehen, heißt es in dem Bericht "Turn the Tide". Nachdem die Regierungen von Indonesien und Papua Neu-Guinea im August 2015 fischereiliche Beschränkungen eingeführt haben, hätten 76 unter thailändischer Flagge fahrende Schiffe ihr Operationsgebiet auf die Saya de Malha Bank im Indischen Ozean verlegt, ein Flachwassergebiet östlich von Madagaskar, mehr als 7.000 km entfernt von Thailands Seafood-Zentrum Samut Sakhon. Im Rahmen eines Transshipment-Modells würden die dortigen Fangschiffe von Reefern bedient, die die Fischer versorgen, gelegentlich auch Zwangsarbeiter dorthin brächten und im Gegenzug die Fänge abholten. Einige Ladungen würden bis zu 50 Prozent Beifänge an Haien enthalten.

Greenpeace Südostasien sei außerdem zu dem Schluss gekommen, dass "der nachässige Einsatz von illegalen, missbrauchten und unterbezahlten heimischen wie auch ausländischen Arbeitern schreckliche Folgen haben kann wie etwa den Ausbruch der Krankheit Beriberi", einer auf Vitamin B1-Mangel zurückzuführenden Vielzahl von Krankheitsbildern. Eine offizielle Untersuchung von sechs Beriberi-Todesopfern sei zu dem Schluss gekommen, dass die Männer an Herzversagen aufgrund von schlechter Ernährung, Arbeitsüberlastung und langem Aufenthalt auf See ohne Rückkehr in den Hafen verstorben seien - eine Situation, die durch die Umladung auf See möglich geworden sei. Von 15 überlebenden illegalen Arbeitern, die Greenpeace Südostasien interviewt hat, hätte fast die Hälfte körperliche Gewalt an Bord der Schiffe erfahren. "Die thailändische Regierung hat versucht, gegen die Menschenrechtsverletzungen in der Fischindustrie vorzugehen, aber diese thailändischen Flotten bleiben so skrupellos wie ehedem", sagte Anchalee Pipattanawattanakul, Meereskampaignerin bei Greenpeace Südostasien.

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