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News aus der Fischbranche

19.04.2012  Studie: MSC-Siegel unzuverlässig, aber empfehlenswert

Scharfe Kritik an den Zertifizierungsprogrammen des Marine Stewardship Councils (MSC) und von Friend of the Sea (FOS) haben zwei Wissenschaftler in einer aktuellen Studie geübt. "Leider kann man sich auf die Label nicht verlassen", zitiert die Zeitschrift "Stern" Dr. Rainer Froese, Fischereibiologe am Kieler GEOMAR, der gemeinsam mit dem Rechtswissenschaftler Prof. Alexander Proelß von der Universität Trier im April den Artikel "Evaluation and Legal Assessment of Certified Seafood" (Marine Policy, Vol. 26, Issue 2) publiziert hat. Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass es für 11 Prozent der vom MSC und für 53 Prozent der von FOS zertifizierten Fischereien keine hinreichenden Zustandsinformationen gebe. Bei jenen Beständen wiederum, für die Bestandsinformationen vorlägen, müssten trotz Zertifizierung 31 Prozent (MSC) bzw. 19 Prozent (FOS) als überfischt bzw. nicht umweltverträglich befischt gelten, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von GEOMAR und dem Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft". Dennoch halten die Wissenschaftler es für sinnvoll, zertifizierte Fischprodukte zu kaufen, da bei diesen der Prozentsatz mäßig befischter, gesunder Bestände drei- bis viermal höher sei als bei nicht-zertifiziertem Seafood.

Der MSC widerspricht den Ergebnissen der Veröffentlichung in einer Pressemitteilung energisch: "Diese Bestände sind nicht überfischt." Unterstützung erhält die Organisation von Dr. Christopher Zimmermann, stellvertretender Leiter des Von Thünen-Instituts (vTI) für Ostseefischerei und Vorsitzender des Technischen Beirates des MSC. Er wirft den Autoren vor, sich an "Referenzwerten, die in wissenschaftlichen Kreisen nicht anerkannt sind", zu orientieren und konstatiert: "Eine global agierende Organisation wie der MSC muss international abgestimmte und anerkannte Definitionen verwenden. Die von Froese und Proelß verwendete Definition von Überfischung und viele der verwendeten Referenzpunkte sind international nicht akzeptiert. Die Resultate der Studie sind somit irrelevant." Der MSC betont außerdem, dass die Bestände einer jeden MSC-zertifizierten Fischerei groß genug seien, um die fischereilichen Aktivitäten zu stützen. Darüber hinaus sei die Bestandsgröße zwar ein wichtiger Indikator für die Nachhaltigkeit einer Fischerei, aber nur einer von 31 herangezogenen Indikatoren. Sofern anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse es notwendig machten, überprüfe und überarbeite der MSC seine Richtlinien.


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