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Ehrenpreis Lebenswerk 2016

Hans-Joachim Fiedler

Hans-Joachim Fiedler

Eine tragende Säule des „Schaufensters Fischereihafen“

Hans-Joachim Fiedler und sein Unternehmen sind eine tragende Säule des Konzeptes „Schaufenster Fischereihafen“. Die Familie Fiedler betreibt im Bremerhavener Fischereihafen über ein halbes Dutzend Geschäftseinheiten, die sich um Fischproduktion, Fischgastronomie und Tourismus drehen, zuvörderst das prämierte „Anno 1906“. Auch in zahlreichen Verbänden ist Fiedler engagiert.

Ich habe mir damals nicht träumen lassen, dass ich diesen Weg ‚mal gehen würde“, sinniert Hans-Joachim Fiedler heute. Das Bremerhavener Schaufenster Fischereihafen gilt inzwischen als ein wichtiger Eckpunkt des touristischen Gesamtkonzeptes der Seestadt. "Wir haben inzwischen 32 Veranstaltungstage im Jahr, an denen hier Remmidemmi ist", resümiert der Fischhändler, der bei weitem nicht mehr ausschließlich mit Fisch handelt. Unter dem breiten gastronomischen Angebot, das der Fischereihafen heute gerade rund um den Marktplatz "Schaufenster" bietet, betreibt Fiedler alleine drei: Fiedlers Räucherdiele, Fiedlers Kutterfischer und das Restaurant Fiedler. Seit fast 20 Jahren ist Hans-Joachim Fiedler Vorsitzender der Werbegemeinschaft, die im Verein mit der Fischereihafen-Betriebsgesellschaft FBG das Areal zu dem entwickelt hat, was es heute ist: ein Anziehungspunkt für den lokalen, regionalen und auch überregionalen Veranstaltungs- und Tagestourismus.

Von der Industriebrache zum Tourismusareal

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Mit dem historisierenden Ambiente harmonieren die Kleidung des Thekenpersonals und selbst manches Produkt: die Stremellachsstücke sind mit einem Bastband umwickelt.
Vor einem Vierteljahrhundert war dieser Bereich des Fischereihafens eine Industriebrache. Dem "größten Fischereihafen des Kontinents“ drohte der Niedergang: die deutsche Hochseeflotte lag auf dem Trockenen, die Reedereikontore und Netzböden verwaisten – ein Ort, „an dem […] Tristesse herrschte", erinnert sich Christoph Barth in der Gedenkschrift "111 Jahre Fischereihafen Bremerhaven". Ähnlich stand es um die Packhalle IV, jenes langgestreckte Backsteingebäude, das heute das Gros der Schaufenster-Gastronomie beherbergt. „Neben uns war eine Malerwerkstatt, betrieben vom Arbeitsamt, die anderen Abteilungen standen größtenteils leer oder wurden von Hobbybastlern für Autoreparaturen genutzt“, erinnert sich Hans-Joachim Fiedler. Der – im Erstberuf – gelernte Räuchermeister hatte Ende der 1980er Jahre die Fischräucherei Herbert Rekatzky übernommen und arbeitete zunächst mit nur zwei Mitarbeitern: "Hier war kein Fabrikverkauf, nur ein paar Kunden, die sich zur Räucherei Franke verirrten."

Das „Schaufenster“ als Reaktion auf die Nematodenkrise

Um 1992 war es, als die Geschäftsführer der Fischereihafen-Betriebsgesellschaft, Armin Winninger und Reinhold Meiners, die Idee einer „Fressmeile“ entwickelten und Hans-Joachim Fiedler für ihre Pläne ­gewinnen konnten. Noch steckte die 1987er Nematodenkrise der Branche in den Knochen. „Nach den Einbußen und Massenentlassungen in der Fischwirtschaft wollten wir wieder Vertrauen aufbauen: den Touristen und Besuchern des Fischereihafens sollte die Fischproduktion offen präsentiert werden, sie sollten die Frische des Produktes und die Vielfalt der Produktion gezeigt bekommen“, beschreibt der Fischkaufmann den Ansatz, der auch den Namen „Schaufenster“ erhellt. Den Vorsitz der neu zu gründenden Werbegemeinschaft trug Armin Winninger Jochen Fiedler an, für den das Szenario Neuland war: „Werbegemeinschaft war für mich ein Fremdwort in einem Viertel, das es eigentlich nicht gab. Doch ich entgegnete: versprechen Sie mir, dass es so kommt, dann verspreche ich Ihnen, dass ich den Vorsitz machen werde.“ In der Öffentlichkeit bis hoch zum Bremerhavener Oberbürgermeister Karl Willms überwog die Skepsis, die Politik wollte keine zweite Baustelle neben jener am Hafen in der Innenstadt.

32 Veranstaltungstage im Jahr

Und als die Halle IV schließlich umgebaut war, fanden sich zunächst keine Fischfirmen, die einziehen wollten. So kam ein Gastronom nach dem anderen. Nach einer mehrjährigen Durststrecke – das Schaufenster war schließlich eine Großbaustelle – besserte sich die Lage mit Fertigstellung des Veranstaltungszentrums Forum Fischbahnhof. Heute zählt das Theater im Fischereihafen (TiF), eine Kleinkunstbühne, jährlich 20.000 Besucher, das Seefischkochstudio mit seinen Kochshows bis zu 30.000 und das Meerwasseraquarium Atlanticum 70.000 Gäste. Interesse finden auch die Events, die sowohl in der Haupt- als auch in der Nebensaison stattfinden. „Wir haben inzwischen ein eigenes Veranstaltungsbüro“, verweist Fiedler auf die erreichte Professionalität. Die Werbe- und Veranstaltungsgesellschaft steht hinter der alljährlich Ende ­April stattfindenden Fischparty, dem größten Fischfest an der Küste, dem Hafenspektakel und den Matjestagen im Juli, dem ‚Kino im Hafen‘ im August und dem ‚Winter Blues Festival‘ im Februar. Märkte mit regionalen Erzeugnissen, ein Kunsthandwerkermarkt und ein handwerklicher Weihnachtsmarkt sind weitere Ereignisse auf einer Liste, die hier nicht vollständig dargestellt werden kann.

Gläserne Manufaktur in „Fiedlers Fischmarkt“

Die ursprünglich kleine, 1988 übernommene Räucherei hat Hans-Joachim Fiedler bis heute zu einem Unternehmen mit nahezu 100 Beschäftigen, davon fast 50 Vollzeitkräften, ausgebaut. Dabei ist das Familienunternehmen in beachtlichem Maße diversifiziert und besitzt mehrere Vertriebsschienen, ohne den Fokus Fisch aufzugeben. Als herausragend darf die Einrichtung von „Fiedlers Fischmarkt Anno 1906“ gelten. Das Fischfachgeschäft mit Erlebnischarakter wurde zum 100-jährigen Bestehen der Packhalle IV eröffnet und in der Folge mehrfach prämiert. Als Sammler insbesondere maritimer Antiquitäten hat Fiedler im „Anno 1906“ seine Leidenschaft mit dem Fischfachhandel kombiniert und ein inzwischen mehrfach preisgekröntes Konzept umgesetzt, das das Tourismusareal aufwertet. Mit dem historisierenden Ambiente harmonieren die Kleidung des Thekenpersonals und selbst manches Produkt: die Stremellachsstücke sind mit einem Bastband umwickelt. Umgesetzt hat Fiedler hier auch das ursprüngliche Schaufenster-Konzept: vom Rundgang in Fiedlers Fischmarkt gewähren große Glasscheiben den Blick in die Marinadenproduktion.

Dort und in weiteren Räumen produziert die Fiedler-Belegschaft nicht nur für den Fischmarkt und die eigenen Gastrobetriebe, sondern zunehmend auch für einen Internetshop und für den Lebensmitteleinzelhandel, teils unter Handelsmarke. „Den Onlineshop haben meine Söhne gegen meine innere Überzeugung vor drei Jahren begonnen – und er hat sich gut entwickelt“, konstatiert der Senior. Heringsspezialitäten wie Aalrauch-, Kräuter- oder Wintermatjes liegen inzwischen in norddeutschen Edeka- und Rewe-Filialen, werden unter Handelsmarken wie ‚Piets Fischhus‘ auch auf anderen Feinkost-Portalen im Netz angeboten.

Dreistern Räucherei strebt nach IFS-Zertifikat

Da die eigene Produktion in der Packhalle IV mittlerweile Raumprobleme bekommt, wird die Herstellung von Räucherwaren zunehmend in die gegenüberliegende Dreistern Räucherei Dieter de Haas verlegt. Erst im vergangenen Jahr hatte Hans-Joachim Fiedler gemeinsam mit zwei Partnern – Detlef Düring und Dieter Holzmann – den Traditionsbetrieb mit derzeit 15 Mitarbeitern übernommen. Bis Februar werden die Räume bei laufender Produktion IFS-konform modernisiert, haben neue Decken, Fußböden und Beleuchtung erhalten. Angesichts der kontraktiven Umsatzentwicklung im ambulanten Fischhandel, der ehemals wichtigsten Klientel der Dreistern-Räucherei, werde der Schwerpunkt in Zukunft auf dem Großhandel liegen. Zum Dreistern-Sortiment gehören neben Räucherfisch-Klassikern zunehmend kreative Spezialitäten wie Stremellachs mit Preiselbeeren oder Blüten-Topping. Noch in der eigenen Lachsräucherei produzierte Fiedler jüngst zu den Festtagen einen Hingucker wie den Weihnachtslachs: ein Stremel dekoriert mit Sandelholz, Zimt und Mandeln.
Auslagerung der Versandabteilung

Eine zusätzliche räumliche Entlastung für die Aktivitäten in der Halle IV hat die Übernahme des Tiefkühllagers des Schiffsausrüsters Odin in der Straße An der Rampe 10 gebracht. Das Gebäude wird nicht nur für die Lagerung von Verpackungsmaterialien genutzt, sondern beherbergt auch ein Kühlhaus und die Versandabteilung und einen Abholbereich für ambulante Fischhändler.

Drei Restaurationen: für jeden Geschmack etwas

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Die Fiedler-Belegschaft produziert nicht nur für den Fischmarkt und die eigenen Gastrobetriebe, sondern zunehmend auch für einen Internetshop und den Lebensmitteleinzelhandel, teils unter Handelsmarke.

Der Tourist und Schaufenster-Besucher nimmt Fiedler schließlich auch als Gastrounternehmer wahr, der gleich drei Restaurationen betreibt. „Jede dieser Abteilungen hat ihren eigenen Charme und spricht unterschied­liche Kundschaft an“, begründet Hans-Joachim Fiedler die Dreiteilung. Als „Fischbraterei mit Selbstbe­dienung“ beschreibt sich ‚Fiedlers Räucherdiele‘: preiswerter Brat- und Backfisch in stilvoll-rustikalem Interieur. Umfangreich maritim dekoriert, im Stile einer Hafenkneipe ist ‚Fiedlers Kutterfischer‘, der seinen Gästen einen Blick in die Küche gewährt und als Geheimtipp „die knusprigen Bratkartoffeln aus der Pfanne“ empfiehlt. Als „Sahnehäubchen des Imperiums“ versteht der Fischkaufmann das ‚Restaurant Fiedler – Fisch und Steak in der Aalkate‘. Gegründet 1992 als ‚Fiedlers Aalkate‘, ist das mit Brüsseler Eichenmöbeln ausgestattete zweistöckige Etablissement mit seinen insgesamt 165 Plätzen auch geeignet für Familienfeiern und Firmenevents.

Fiedlers Fischerdorf

Einen öffentlichkeitswirksamen Coup, dem ‚Anno 1906‘ vergleichbar, landete Fiedler 2010 mit dem Bau seines Fischerdorfs. Gefördert aus Mitteln des Europäischen Fischereifonds, ist für 400.000 Euro ein Ensemble aus zehn, zum Teil reetgedeckten Holzhütten entstanden, im Stil eines Fischerdorfes aus der Zeit um 1900, die sich um einen Dorfplatz mit Brunnen gruppieren. In einer Räucherhütte wird nach dem Prinzip des Altonaer Ofens über offenem Feuer geräuchert, in einer Uhrenstube werden Uhren, in der „Geröllhütte“ Mineralien zum Verkauf angeboten.

Mit ‚Fiedlers Fischerdorf‘ ist es erfolgreich gelungen, die Gäste des Areals auch in den hinteren, vom Hafenbecken abgelegenen Teil des Schaufensters zu locken. Dort betreibt Fiedler seit 2008 außerdem einen „Kolonialwarenladen“, in dem „alles außer Fisch“ angeboten wird. In einem Interieur aus antiken Verkaufsmöbeln werden Gewürze und Marmeladen, Kaffe-, Tee- und Schokoladenspezialitäten sowie Liköre, Weine oder Brotvariationen angeboten.

„Ein bisschen Stadtgeschichte schreiben“

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Drei Generationen Fiedler (von links): Patrick, Brigitte, Jan Frederick, Hans-Joachim, Finn (vorne), Jan-Hendrick und Julia Fiedler sowie Daniela Renke.
Knapp drei Jahrzehnte nach seinem Start im Fischereihafen hat Hans-Joachim Fiedler das Konzept „Fiedlers Fischmarkt“ zu einer Marke entwickelt, die dank der Touristen zusehends deutschlandweite Verbreitung erlangt. An Ruhestand mag der 60-Jährige, der sich eigentlich auch für den Lebenswerk-Preis zu jung fühlt, nicht wirklich denken, auch wenn er die Unternehmensleitung ­sukzessive den Söhnen Jan-Hendrik (34), Jan Frederik (32) und Patrick (28) sowie deren Partnerinnen anvertraut.

Das Bonmot „Bei Fiedler steht immer ein Sack Zement vor Tür“ hat auch im Februar 2016 seine Bedeutung nicht verloren, blickt man beispielsweise auf die Aktivitäten in der Räucherei Dreistern. Ganz nebenbei engagiert sich Jochen Fiedler als Vizepräsident der IHK Bremerhaven und als Clubmeister bei den Rotariern. „Die ganzen Ämter und Posten bringen zwar kein Geld, aber man schreibt ein kleines Stückchen Stadtgeschichte – und das wiederum befriedigt ein bisschen“, meint der Fischkaufmann, dessen ­kleines Imperium an jeder Stelle auch Geschichte atmet.





H.-J. Fiedler Meeresdelikatessen GmbH




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Ehrenpreis Lebenswerk 2016

H.-J. Fiedler Meeresdelikatessen GmbH www.fiedlers-fischmarkt.de
 
H.-J. Fiedler Meeresdelikatessen GmbH
An der Packhalle IV, Nr. 34
27572 Bremerhaven
Email: info@fiedlers-fischmarkt.de
Telefon: 0471-932230


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