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21.10.2020  Berlin: Die Plage als Ressource - invasive Arten als Delikatesse

Berlin: Die Plage als Ressource - invasive Arten als Delikatesse

Aus der Plage eine Delikatesse machen: Jule und Lukas Bosch vermarkten den in Berlin befischten Amerikanischen Sumpfkrebs. Seit Neuestem lassen sie aus Chinesischen Wollhandkrabben eine Krabbenessenz produzieren. (Foto: Holycrab)
Das invasive Auftreten des Amerikanischen Sumpfkrebses in Berlin haben Jule und Lukas Bosch für die Gründung eines kreativen Start-ups - Holycrab - genutzt. Das Land Berlin lässt das als Plage definierte massive Auftreten des Procambarus clarkii im Britzer Garten seit 2018 durch Befischung bekämpfen. Die Boschs haben sich mit dem Koch Andreas Michelus zusammengetan und die Krebse über einen Foodtruck angeboten. Sie servierten die Tiere als Fish & Chips-Variante oder im Fischbrötchen in einer Brioche mit Dill-Mayonnaise und rotem Zwiebelsalat. Sie verwendeten die Krebse als Basis einer Bouillabaisse oder verarbeiteten sie mit fruchtigen Tomaten zu einer Pasta-Sauce "Frutti di Plage". Die beiden Jungunternehmer - er freiberuflicher Unternehmensberater, sie Beraterin für Zukunftsthemen - haben sich auch weiteren Delikatessen zugewendet, die in der Natur keiner will, wie der Wollhandkrabbe, die mit ihrem nussig-festen Fleisch etwas vom Hummer habe, oder dem Kamberkrebs, den Michelus schon mit Butter und Zucker karamellisiert und zusammen mit Schokolade als Dessert serviert hat.

Die Motivation für Jule und Lukas Bosch ist sowohl philosophisch-ökologischer wie auch ökonomischer Natur: Wenn das Problem am Sumpfkrebs ist, dass er keine natürlichen Fressfeinde hat, dann muss der Mensch dieser Fressfeind sein. Und wenn die Tiere in großen Mengen da sind, kann man auch ein Geschäft aus ihnen machen: die Plage als Ressource. Allerdings sind die Fangzahlen der Sumpfkrebse in Berlin inzwischen rapide gesunken: von rund 38.000 Exemplaren im Jahre 2018 auf 23.000 im vergangenen Jahr und prognostisch noch weniger in der noch bis Ende Oktober laufenden Saison. Auch deshalb haben sie sich anderen Arten zugewendet, etwa der Nilgans, die in der Stadt Frankfurt ein Problem sei, oder dem Japanischen Staudenknöterisch, einem Albtraum von Stadtgärtnern. "Für weitere Arten, die in unser Konzept passen, sind wir mehr als aufgeschlossen", teilte Lukas Bosch im Gespräch mit der Internetseite Jungjäger mit. Da Jule und Lukas Bosch seit Beginn der Corona-Krise keine Caterings und Veranstaltungen mehr ausrichten können, haben sie ihren Foodtruck vermietet. Jetzt lassen sie aus Chinesischen Wollhandkrabben eine Krabbenessenz produzieren, die man Soßen beimischen kann, und wollen Flusskrebse in größeren Mengen als Zwischenhändler in die Gastronomie bringen.

Lesen Sie hierzu auch im FischMagazin-Archiv:
04.10.2019 Berlin: Flusskrebs-Bestand allmählich rückläufig
27.08.2019 Wattenmeer: Neue Muschelart könnte Nahrungskonkurrent werden
18.05.2018 Berlin: Flusskrebse - die Plage wird zur Delikatesse

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