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11.01.2021  Brexit (I): "Behandelt wie Versuchskaninchen"

Brexit (I): "Behandelt wie Versuchskaninchen"

Für eine erste Ladung Miesmuscheln, die Offshore Shellfish von Südwestengland nach Holland exportierte, zahlte der Züchter 25% Transportkosten - statt 5% vor dem Brexit. Foto: Verladung der Bigbags in Brixham. (Foto: Offshore Shellfish)
Der Export von frischen Meeresfrüchten aus Großbritannien leidet nach Beginn des Brexits unter aufwendigen Zollformalitäten. "Unsere ersten Erfahrungen mit dem Export in die EU sind zu dem Alptraum geworden, den wir befürchtet hatten", erklärt Nicki Holmyard, Mitgründerin des Muschelzüchters Offshore Shellfish, gegenüber den Undercurrent News. Der Muschelproduzent, der im südwestenglischen Brixham Miesmuscheln offshore züchtet, transportierte seine lebenden Schalentiere vor dem Brexit binnen zwölf Stunden zu einem Verarbeiter in Holland.

Doch die erste 10 Tonnen-Ladung, die ihre Tochter Sarah, zuständig für Verkauf und Marketing, am Donnerstag, den 7. Januar, auf den Weg brachte, hatte es bis Freitagmittag gerade einmal nach Boulogne-sur-Mer geschafft. Dabei hatten zwei Vertreter der Lebensmittelaufsicht aus Weymouth die Fracht bereits am Firmensitz abgefertigt. 41 Dokumentenseiten begleiteten die 10 t. In Dover gab es den ersten Zwangshalt, weil Behörden- und Zollnummern nicht übereinstimmten. Nach weiteren Verzögerungen beim französischen Zoll beanstandeten Veterinäre in Boulogne-sur-Mer, dass ihre britischen Kollegen die Exportgesundheitszertifikate fehlerhaft ausgefüllt hätten. 48 Stunden nach Abfahrt trafen die Muscheln schließlich am Zielort ein.

Für Offshore Shellfish bedeutete das Verfahren nicht nur zusätzlichen Arbeitsaufwand, sondern auch Extrakosten in Form von Zollgebühren, die Grenzkontrolle in Frankreich sowie Übernachtungskosten der zwei Fahrer. Während die Transportkosten normalerweise 5% der Gesamtkosten ausmachen, waren es bei dieser ersten Lieferung beachtliche 25%. In der Regel exportiert Offshore Shellfish allerdings 20 t-Ladungen. "Wir haben den Brexit nicht begrüßt", betont Nicki Holmyard. Angesichts der Ungewissheit, was ihr die Zukunft bringen werde, denkt sie bereits darüber nach, die Produktion aufs europäische Festland zu verlegen.

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