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Ehrenpreis für das Lebenswerk 2019

Dr. Matthias Keller

Dr. Matthias Keller

Der Vermittler

Dr. Matthias Keller arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten für die Fischwirtschaft und nimmt heute mehrere zentrale Verbandsfunktionen wahr, z.B. als Geschäftsführer des Bundesmarktverbandes der Fischwirtschaft, des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels sowie als Geschäftsführer des Fisch-Informationszentrums sowie der „Stiftung seeklar“.

Dr. Matthias Keller ist ein Mann mit guten Kontakten. Die Ämterfülle bringt es mit sich, dass er über ein dichtes Netzwerk an Ansprechpartnern verfügt, das Industrielle und Händler, Politiker auf nationaler und EU-Ebene sowie Wissenschaftler, Journalisten und andere Berufsgruppen umfasst, die sich alle mit dem Thema Fisch als Lebensmittel befassen. Wenn er seine vielfältigen Aufgaben mit einem Schlagwort zusammenfassen soll, sieht er sich in erster Linie als „Vermittler“ für die Ideen und Interessen der Mitglieder seiner Verbände. „Ich nehme Erwartungen und Wünsche unserer Mitglieder auf und vermittele diese an die richtigen Ansprechpartner in Politik und Behörden“, beschreibt er seine Aufgabe, die häufig genug in Form von Sisyphus-Arbeit daherkommt.

So begleitet ihn das Thema Rohstoffversorgung seit Beginn seiner Tätigkeit beim Bundesverband der deutschen Fischindustrie im Juni 1988. „Importe sind essentiell für die Fischindustrie, um hier in Deutschland Arbeitsplätze zu schaffen und zu halten“, weiß Keller. Aktuell werden über 80 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Rohstoffe importiert. Untrennbar damit verbunden sind Einfuhrzölle, die je nach Produkt und Verarbeitungszustand bis zu 24 Prozent betragen können und den Weltmarktpreis für die Waren zusätzlich verteuern. Oder eben auch nicht, wenn nämlich der Verband für bestimmte Fischrohstoffe entsprechende Zollkontingente aushandeln konnte, für die keine administrativen Abgaben anfallen.

Forderungen mit Fakten unterlegen

Dr. Matthias Keller
Zweimal im Monat führt Dr. Keller frühmorgens Auszubildende über den Hamburger Fischmarkt, um junge Menschen aus Lebensmittelberufen mit dem Produkt Fisch vertraut zu machen.
„Zollkontingente sind für unsere Mitglieder das A und O, denn sie stärken die internationale Wettbewerbsfähigkeit ihrer Produkte“, erklärt Keller. Folgerichtig ist der Einsatz für die abgabefreien Einfuhren ein Kerngebiet seiner Tätigkeit. „Wir brauchen in der EU aktuell mindestens 280.000 Tonnen aus Drittländern eingeführtes gefrorenes Alaska-Seelachs-Filet im Jahr. Die EU-Kommission hat uns im letzten Jahr mitgeteilt, dass ab 2019 nur noch 250.000 Tonnen zollfrei eingeführt werden dürfen. Wir konnten mit Hilfe anderer EU-Verbände nachweisen, dass das vorgeschlagene Volumen nicht ausreicht und haben jetzt sogar ein Zollkontingent von über 320.000 Tonnen für die nächsten 2 Jahre erreicht“, schildert er einen in seiner Höhe nicht alltäglichen Erfolg, der aber doch die prinzipielle Vorgehensweise auch bei anderen Rohstoffen beschreibt. Dabei setzt Keller vor allem auf die Kraft von Fakten. Noch in seiner Zeit als Referent beim Bundesverband hat er ein periodisches Zahlenwerk zur Marktversorgung Deutschlands vorgelegt. Im Laufe der zunehmenden Kooperation der EU-Länder auf internationaler Ebene ist dieses Zahlenwerk in die „AIPCE-CEP Weißfischstudie“ aufgegangen, dessen Co-Herausgeber er seit mittlerweile einem Vierteljahrhundert ist. Diese Studie beschreibt die Abhängigkeit des EU-Marktes von den Einfuhren, indem es die Anlandungen der EU-Fischer mit dem Absatzpotenzial innerhalb des europäischen Binnenmarktes vergleicht. Die Deckungslücke zwischen den beiden Zahlen benennt den Rohstoffbedarf und begründet die Notwendigkeit der Importe. „Unsere Aufgabe gegenüber den an den Verhandlungen maßgeblich beteiligten Ministerien ist es, Forderungen mit Fakten zu unterlegen und aufzuzeigen, wie sich Mengen und Herkünfte entwickeln“, bringt Keller den Grund für die akribische Zahlensammlerei auf den Punkt.

Grenzwerte mit Augenmaß setzen

Eine andere wichtige Funktion seiner Verbandsarbeit sieht er darin, die Festsetzung der Grenzwerte von Umweltkontaminanten im Sinne seiner Mitglieder zu begleiten. „Dabei geht es nicht darum, Schadstoffe zu negieren oder kleinzureden. Es geht unserem Verband darum, dass die Grenzwerte realistisch festgelegt werden“, erklärt er die Aufgabe und führt zur Verdeutlichung ein Beispiel jüngeren Datums an. Dabei hatte die EU-Kommission den Grenzwert eines Stoffes im Fischfleisch sehr niedrig angesetzt, um die täglich tolerierbare Aufnahmemenge durch den Menschen so gering wie möglich zu halten. Ein an sich vernünftiges Vorgehen zum Schutz der Konsumenten, bei dem der Gesetzesgeber im vorliegenden Fall jedoch davon ausgegangen ist, dass der Konsument jeden Tag mindestens 300 Gramm dieser Spezies zu sich nimmt. „Da müssen wir einschreiten und unrealistischen Vorgaben widersprechen. Man muss die reale Gefahr beim Durchschnittsverzehr sehen und darf die Grenzwerte nicht an einem konstruierten unrealistischen Maximalverzehr festmachen“, unterstreicht der Verbandsgeschäftsführer seine Argumente.

Entwicklungen erkennen, Daten und Fakten beschaffen

„Entwicklungen erkennen, Daten und Fakten beschaffen, Argumente formulieren“ lautet der Dreiklang seiner erfolgreichen Funktionärsarbeit. Dabei hebt Keller hervor, dass die Argumente durchaus nicht immer den Verband als Sender haben müssen, wenn es andere Institutionen gibt, die in den Augen der Menschen glaubhafter sind als der Fischverband, der für die Interessen der Branche steht und somit eine andere Absenderkompetenz hat. Ein Beispiel ist die Nuklearkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima im Jahr 2011, bei dem es durch ein Erdbeben und einen nachfolgenden Tsunami zu einer Kernschmelze und der Emission radioaktiver Stoffe auch ins Meerwasser kam. Da Deutschland aus dem betroffenen Fanggebiet FAO 61 (Nordwestpazifik) regelmäßig Fisch importiert, ließ man – durch den Bundesverband koordiniert – Proben dieser Einfuhren auf Radioaktivität analysieren. Mit dem Ergebnis, dass die Fische nicht belastet waren. Da der Fischverband als Verbreiteter dieser Information für den ängstlichen Verbraucher per se wenig glaubhaft war, stellte man die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Verbraucherzentrale zur Verfügung, die in allen Fragen rund um Lebensmittelsicherheit als glaubwürdiger Ansprechpartner gilt und die Ergebnisse publizierte. Die Gefahr einer Kaufzurückhaltung durch verunsicherte Verbraucher war gebannt.

‚Fischbestände online‘ und ‚Aquakulturinfo‘

Den gleichen Ansatz verfolgt man in der Branche auch mit der Initiierung der Datenbank „Fischbestände online“, die die Bestandssituation der für den deutschen Markt kommerziell wichtigen Seefischbestände erfasst. Dieses Informationsangebot richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit, insbesondere aber an Unternehmen des Handels und der verarbeitenden Industrie, um ihnen den weiteren Ausbau ihrer nachhaltigen Fisch-Einkaufspolitik auf der Basis wissenschaftlich korrekter Informationen zu erleichtern. „Fischbestände online“ liefert umfassende und aktuelle Informationen zum Zustand von Fischbeständen, die für den deutschen Markt von Bedeutung sind. Die Informationen werden zusammengetragen vom Thünen-Institut, das unter anderem vom Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels damit beauftragt und fortlaufend unterstützt wird. Die Daten werden in der Regel jährlich aktualisiert. Stand Januar 2019 gibt es in der Datenbank Informationen über 180 für den deutschen Markt relevante Fischbestände aus weltweit über 30 Fischarten. „Fischbestände online bereitet Daten so auf, dass sie dem Handel und der Industrie in deutscher Sprache zur Verfügung stehen, damit diese den NGO‘s Zahlen von unabhängigen Wissenschaftlern entgegenhalten können“, erklärt Dr. Keller. Seit 2012 gibt es mit ‚Aquakulturinfo‘ eine entsprechend angelegte Datenbank auch für den Aquakultursektor.

Freiräume schaffen und erhalten

Dr. Matthias Keller
Fisch ist in den Medien ein beliebtes Thema und Dr. Keller in seiner Rolle als Geschäftsführer mehrerer Verbände und Institutionen ein gefragter Interviewpartner.
Alle genannten Aufgabenbeispiele vom Aushandeln der Zollkontingente und Festlegung von Grenzwerten bis zur Beschaffung von Daten und Fakten als Argumentationsgrundlage im Krisenfall folgen dem Anspruch „Freiräume für unsere Mitglieder zu schaffen und zu erhalten, damit diese ungestört ihrem Tagesgeschäft nachgehen können“, unterstreicht Matthias Keller. Abseits von seiner eigenen Verbandstätigkeit, die „gefühlt zu 70 Prozent aus der Prüfung von Rechtstexten besteht“, findet der promovierte Diplom-Agrarökonom und gebürtige Hesse Entspannung in seinem Garten am Haus in Hamburg. Außerdem engagiert er sich in seiner Kirchengemeinde. Er beschäftigt sich gerne mit Lebensmitteln, steht aber ungern am Herd. Dafür grillt er leidenschaftlich, wobei natürlich überdurchschnittlich häufig Fisch, Krebs- und Weichtiere auf den Rost kommen, aber auch selbstgemachte Wild-Wurst. „Im Restaurant muss ich mich meistens zusammenreißen, wenn etwa Seezunge, „Jakobsmuscheln“ und „Scampi“ zu einem unglaublich niedrigen Preis auf der Speisekarte angeboten werden“, gesteht er mit einem verschmitzten Lächeln. Um zukünftige Generationen an Köchen und Restaurantfachschülern die richtige Bezeichnung der Fische, Krebs- und Weichtiere beizubringen, führt

Matthias Keller 25 Mal im Jahr frühmorgens Schulklassen über den Hamburger Fischmarkt. Eigene Stärken sieht er in der Zuverlässigkeit und der klaren Fixierung auf den Auftrag. „Ich bin ein verantwortungsbewusster und hilfsbereiter Mensch“, beschreibt er eigene Wesenszüge. Eine Selbsteinschätzung, die viele in der Fischwirtschaft teilen und ohne die eine mehr als 30-jährige verantwortungsvolle Tätigkeit in der Branche undenkbar wäre.nik




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