01.02.2022

Wasserkraft: Jeder fünfte Fisch stirbt bei Passage der Turbinen

Durchschnittlich werden an Wasserkraftanlagen 22,3 Prozent der Fische getötet oder weisen nach der Passage schwere, potenziell tödliche Verletzungen auf. Diese Zahl nennt ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), das die Folgen der Wasserkraft für die Fischwelt erstmals global betrachtet und ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Conservation Biology vorgelegt hat. Das Problem erhält wachsende Relevanz, denn weltweit nimmt die Zahl der Wasserkraftanlagen rasant zu. Allein in Europa sind bereits 21.000 Anlagen in Betrieb, 8.500 weitere sind geplant. Die Mortalitätsbewertungen stammen von Feldversuchen an 122 Wasserkraftstandorten unterschiedlicher Größe in 15 Ländern weltweit, wobei ein globaler Datensatz mit mehr als 275.000 einzelnen Fischen aus 75 Arten analysiert wurde. Dabei berücksichtigt die Studie auch unterschiedlichste Turbinentypen. "Das macht diesen Datensatz und dessen Auswertung so einzigartig und aussagekräftig", erklärt IGB-Forscher Dr. Johannes Radinger, Erstautor der Studie.

Von einer Schädigung besonders gefährdet sind Fischarten mit ausgeprägtem Wanderverhalten wie Lachse, Störe oder Aale, die im Laufe ihres Lebenszyklus' zwischen Flüssen und Meeren hin- und herwandern und dabei Turbinen passieren müssen. Betroffen sind aber auch Flussfischarten, so genannte potamodrome Fische, die über lange Distanzen innerhalb der Flusssysteme wandern wie die Barbe oder die Nase. Für wandernde Populationen sind vor allem die summierten Auswirkungen mehrerer Wasserkraftanlagen problematisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fisch beim Turbinendurchgang geschädigt wird, hängt unter anderem von seiner Größe, der Art, dem Lebensstadium und anderen biologischen Merkmalen ab. Je größer der Fisch, desto höher ist in der Regel sein Sterberisiko. Doch auch der Turbinentyp ist entscheidend. Den Goldstandard bilden Turbinen, die aufgrund technischer und betrieblicher Konfigurationen die Fischsterblichkeit reduzieren und zugleich in Kombination mit funktionierenden und modernen Fischauf- und Fischabstiegsanlagen die Tiere erfolgreich daran hindern, überhaupt in die Turbinen zu gelangen. Angesichts des anhaltenden Wasserkraftbooms in besonders artenreichen, großen Flusssystemen Europas betonen die IGB-Forscher, dass die weltweite Einführung eines Mindeststandards für den Fischschutz drängender sei denn je.
Wasserkraft: Jeder fünfte Fisch stirbt bei Passage der Turbinen
Foto/Grafik: Taxiarchos228/Wikicommons
Durchschnittlich werden an Wasserkraftanlagen 22,3 Prozent der Fische getötet oder weisen nach der Passage schwere, potenziell tödliche Verletzungen auf. Foto: das Wasserkraftwerk in Rheinfelden.
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