30.08.2017

EU-Kommission fordert Aalfangverbot in der Ostsee

Die Europäische Kommission fordert ein Aalfang-Verbot in der Ostsee, weil die Bestände zu niedrig seien, meldet die Tageszeitung 'Die Welt'. Das Verbot solle im kommenden Jahr für Berufs- und Freizeitfischer gelten, teilte die Brüsseler Behörde gestern mit. Unbeabsichtigt gefangene Aale müssten unverzüglich freigelassen werden. Voraussichtlich am 9. und 10. Oktober werden die EU-Minister über die Vorschläge, die auf wissenschaftlichen Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) basieren, entscheiden. Die Reaktionen auf den Verbotsvorschlag fallen erwartungsgemäß sehr unterschiedlich aus. Schleswig-Holsteins Fischerei- und Umweltminister Dr. Robert Habeck (Grüne) nannte den Vorstoß "folgerichtig", schreibt die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung. Der Grüne wünscht, dass die EU-Kommission das Verbot auf den gesamten marinen Lebensraum des Aals im Hoheitsgebiet der EU, insbesondere den Atlantik, ausdehne: "Das wäre ökologisch sinnvoll - es geht schließlich um einen einzigen großen Aalbestand in Europa. Außerdem wäre es auch ein Gebot der Fairness für alle Fischer." Auch die Umweltschutzorganisationen WWF und BUND begrüßten den angestrebten Fangstopp. "Wir sehen dem Aal seit Jahren beim Aussterben zu. Es ist höchste Zeit, die Fischerei auf diese bedrohte Art einzustellen", kommentierte Philipp Kanstinger, Fischereiexperte beim WWF Deutschland.

Überrascht reagierte Mecklenburg-Vorpommerns Fischereiminister Dr. Till Backhaus (SPD). Der Vorschlag komme für den Bund wie auch die Länder vollkommen unerwartet. Denn Deutschland habe wie von der EU-Kommission gefordert einen Aalmanagementplan vorgelegt, den die Kommission genehmigt habe. Dieser umfasse auch Teile der Ostsee. Der Kommissionsvorschlag vermittele nun den Eindruck, dass diese Bemühungen ignoriert würden. Verärgert reagierten die Landesfischereiverbände in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. "Ich kann einen totalen Fangstopp im Moment nicht nachvollziehen", sagte der Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Landesverbandes, Lorenz Marckwardt. Er wies darauf hin, dass die Fischer im Land seit acht Jahren verstärkt Jungaale aussetzten, um den Bestand zu erhöhen. Erste Erfolge seien da. Sein Kollege Norbert Kahlfuß, Präsident des Landesfischereiverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, erwähnte ebenfalls die Besatzaktionen im eigenen Land. Alleine im Juni 2017 seien 192.000 Aale mit jeweils sieben Gramm Gewicht in 180 Gewässer gesetzt worden. Kahlfuß kündigte an, dass Fischerei- und Anglerverband gegen die Pläne vorgehen werden.

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