17.03.2022

Viele Küstenfischer stellen Fischerei ein wegen hoher Dieselpreise

Viele Fischer an Deutschlands Nord- und Ostseeküste haben derzeit die Fischerei eingestellt, weil der hohe Preisanstieg bei Schiffsdiesel keine wirtschaftlich auskömmliche Fischerei möglich mache, meldet die Deutsche Presseagentur (dpa). Denn seit Beginn des Ukraine-Krieges am 24. Februar haben nicht nur die Benzinpreise in Deutschland enorm zugelegt, sondern auch die Preise für Schiffsdiesel, der weitgehend steuer- und zollfrei ist. Der Preis je Liter habe sich in den vergangenen Wochen verdoppelt, teilt der Deutsche Fischerei-Verband (DFV) mit. Für einen Liter müssten die Fischer aktuell zwischen 1,30 Euro an der Ostsee und 1,50 Euro an der Nordsee bezahlen. Vor einem Jahr lagen die Preise noch zwischen 0,40 und 0,60 Euro/Liter. "Aktuell lohnt es sich nicht mehr", sagt Michael Schütt, geschäftsführender Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Peenemündung in Freest, denn Diesel koste mehr als der Preis, der am Markt für ein Kilo Hering gezahlt werde. Auch Dirk Sander, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer (EzDK), meint: "Wenn noch einer fährt, dann nur solange, bis der Tank leer läuft." Dabei ist in den Monaten März und April eigentlich Saisonstart für die Krabbenfischerei.

Günter Klever, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Küstenfischer der Nordsee, beschreibt die Situation als "katastrophal" und schlimmer als die Folgen der Ölpreiskrisen 1973 und 1979/80. Selbst während der Ölkrisen in den 1970er-Jahren sei der Dieselpreis nicht derart durch die Decke gegangen. An der schleswig-holsteinischen Küste stünden bereits drei Betriebe vor der Insolvenz. Bei einem dritten in Büsum werde ein Investor wohl die Pleite vermeiden. Philipp Oberdörffer, Fachbereichsleiter Fischerei bei der niedersächsischen Landwirtschaftskammer, befürchtet, dass "eine ganze Reihe Betriebe kurzfristig den Betrieb tatsächlich einstellen" werden. Denn trotz passabler Erzeugerpreise von 7,- bis 8,- Euro für Nordseekrabben lohne die Fangfahrt derzeit bei dem aktuellen Dieselpreis nicht. Um die Lage der Fischer zu mildern schlägt Claus Ubl vom Deutschen Fischerei-Verband verschiedene denkbare Maßnahmen vor. Staatliche Prämien für eine befristete Stilllegung eines Betriebs wären eine Möglichkeit, sofern der Lebensunterhalt der Fischer gesichert wäre. Auch die Stundung von Steuern oder die Senkung der Sozialversicherungsbeiträge wären denkbare Optionen. Kommt die Hilfe nicht schnell genug, drohe einer Vielzahl von Betrieben das Aus.
FischMagazin
FischMagazin
Kontakt
  • Kontakt Redaktion
  • Kontakt Anzeigen
  • Kontakt Leserservice

Verlag