06.01.2026
Alaska: Scharfe Kritik an MSC-Rezertifizierung einer Plattfisch-Fischerei
Die Rezertifizierung der sogenannten "Amendment 80"-Flotte, die auf Plattfische im Beringmeer und im Golf von Alaska fischt, nach dem Standard des Marine Stewardship Council (MSC) ist von einer Koalition aus Fischfang-Gruppen, Nichtregierungsorganisationen und Stammesgruppen hart kritisiert worden, meldet das Portal Seafood Source. Die Kritiker werfen dem MSC-Prozess einen Mangel an Transparenz vor – die neuerliche Zertifizierung komme einem "Greenwashing" gleich. Die "Amendment 80"-Flotte von rund 20 Fangschiffen für Grundschleppnetzfischerei fange Atka-Grünling, Pazifischen Kabeljau, Pazifische Scholle, Heilbuttscholle und Pazifischen Rotbarsch. Um die Fischerei hatte es jüngst bereits einen Streit gegeben, weil das North Pacific Fishery Management Council (NPFMC) den erlaubten Heilbutt-Beifang kritisiert hatte. Jetzt teilte das Audit-Unternehmen für die Fischerei – MRAG Americas – am 16. Dezember mit, dass es gegen den Abschlussbericht zur Rezertifizierung keinerlei Widerspruch gegeben habe, so dass die Fischerei "als nachhaltig gemäß dem MSC-Standard zertifiziert" werden dürfe.
Zum Kreis der Kritiker dieser Rezertifizierung gehören Organisationen wie der SalmonState, die Bering Sea Fishermen's Association, die Alaska Longline Fishermen's Association und die Kuskokwin River Inter-Tribal Fish Commission. Sie begründen die fehlenden Einwände mit einem Mangel an Transparenz im Rezertifizierungsprozess. "Es gab keine Einwände, weil niemand, vor allem in Alaska, überhaupt wusste, dass das ablief", erklärt Jackie Arnaciar Boyer, die das SalmonState Ocean Justice Program koordiniert. Der Überprüfungsprozess besitze Hürden, die Stakeholder ausschließen würden, meint Boyer. So beinhalte der MSC-Zertifizierungsprozess extrem lange sowie hochgradig technische und komplizierte Berichte, die von einem Laien unmöglich voll verstanden werden könnten. Außerdem sei das Zeitfenster für die öffentliche Beteiligung kurz: "Wenn Sie dieses Zeitfenster verpassen, können Sie später nicht mehr am Prozess teilnehmen." Linda Behnken, Geschäftsführerin der Alaska Longline Fishermen's Association, erklärte, die Rezertifizierung habe den Aspekt Beifang, der andere Fischereien in der Region gefährde, nicht hinreichend berücksichtigt. Umweltorganisationen wie Oceana setzen sich für ein vollständiges Verbot der Grundschleppnetzfischerei in einigen Regionen von Alaska ein. Scott Van Valin, der mit seiner El Capitan Lodge Angebote für Freizeitfischer und -jäger anbietet, glaubt, dass diese Form der Fischerei zum Zusammenbruch der Bestände von Königslachs und Heilbutt führen werde.
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