09.07.2019

Ostseefischerei: Euro-Baltic und Küstenfischerei existenziell bedroht

Die Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch die Fischverarbeitung Euro-Baltic auf Rügen stehen vor existentiellen Problemen. Das teilten die Betroffenen anlässlich eines Besuchs von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) diesen Montag bei der Euro-Baltic in Sassnitz-Mukran mit. Anwesend waren auch Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus sowie Vertreter von Fischereiverbänden. Den Fischern droht aktuell ein Fangstopp für Dorsch in der östlichen Ostsee bis nach Rügen, außerdem empfiehlt der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) Fangverbote für Hering und Dorsch ab 2020 in der westlichen Ostsee. Ein Fangverbot in der östlichen Ostsee wäre das Aus für die Küstenfischerei rund um Rügen, wo sich westliche und östliche Dorschbestände mischen.

Die Einschränkungen sind vor dem Hintergrund beträchtlicher vorangegangener Quotenkürzungen zu sehen. So betrug die Heringsquote für Mecklenburg-Vorpommern 2008 noch 14.700 t, während sie 2018 bei nur noch 2.990 t lag - ein Fünftel der 2008er-Quote. Beim Dorsch sank die MV-Quote von 2.300 t (2008) auf zuletzt rund 860 t (2018) und damit auf etwa 37% der Ausgangsmenge. "Von den rund 1.400 Haupterwerbsfischern in 1989 sind derzeit nur noch 230 Unternehmen übrig. Mehr als die Hälfte der Fischer ist mittlerweile älter als 60 Jahre," konstatierte Minister Backhaus und forderte: "Das schreit nach klaren Perspektiven." Euro-Baltic-Geschäftsführer Dr. Uwe Richter sieht sein Unternehmen in der Existenz bedroht, meldet der NDR. Hier ist neben den eingeschränkten Fangmengen beim Hering der bevorstehende Brexit Anlass zur Sorge. Denn bei einem harten Brexit dürften deutsche Fischer nicht mehr in britischen Gewässern fischen, sollte es bis dahin keine gültigen Verträge mit Großbritannien geben. Rund 90 Prozent der in Mukran verarbeiteten Nordsee-Heringe stammen aus britischen Gewässern - etwa 45.000 t -, während einheimische Fischer lediglich 5.000 t Hering anlanden. Als eine Reaktion der Politik sollte bereits heute im Bundesumweltministerium der erste "Runde Tisch Ostseefischerei 2020" einberufen werden. Backhaus: "Die Fischerei ist ein Stück Landeskultur und insbesondere für die wirtschaftliche Entwicklung der maritimen Standorte an der Ostseeküste von entscheidender Bedeutung. Dazu gehört letztendlich auch der Tourismus."

Lesen Sie zur Situation der Ostseefischerei auch im FischMagazin-Archiv:
10.01.2019   Ostseefischer starten erfolgreich in die neue Heringssaison
29.08.2018    Ostseefischerei: Heringsfangverbot gefährdet etwa 150 Betriebe
16.10.2018   Ostseehering: Kein Fangstopp, aber Halbierung der Fangmenge
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