21.10.2020

Lebensmittelkennzeichnung: Weg frei für den Nutri-Score

Der Bundesrat hat am 9. Oktober einer Verordnung von Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, zugestimmt und die Nährwertkennzeichnung Nutri-Score ratifiziert. Damit kann die fünfstufige Farb-Buchstabenkombination für in Deutschland in den Verkehr gebrachte Lebensmittel voraussichtlich ab November rechtssicher verwendet werden. Klöckner formulierte ihren Anspruch: "Von den Unternehmen erwarte ich, dass sie Farbe bekennen und ihr Sortiment umfassend kennzeichnen." Die freiwillige Kennzeichnung auf der Packungsvorderseite von Fertigprodukten soll Verbrauchern eine gesündere Ernährung erleichtern. Das aus Frankreich stammende System verrechnet potentiell problematische Inhaltsstoffe wie Zucker, Fett und Salz mit empfehlenswerten wie Eiweiß oder Ballaststoffen zu einem einzigen Gesamtwert, der auf einer fünfstufigen Skala von "A" auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes "C" bis zum roten "E" für die ungünstigste dargestellt wird. So soll die Skala auch den Vergleich innerhalb einer Produktgruppe ermöglichen. In einer repräsentativen Umfrage des Landwirtschaftsministeriums von 2019 setzte sich Nutri-Score gegenüber anderen Modellen der Lebensmittelkennzeichnung durch.

Während etwa der Lebensmittelkonzern Nestlé, aber auch Verbraucherschützer die Entscheidung begrüßen, gibt es viele kritische Stimmen. Bemängelt wird beispielsweise, dass bestimmte positive Inhaltsstoffe nicht in die Wertung einfließen - wie Omega-3-Fettsäuren und Vitamine. Deshalb wird der Nutri-Score einigen Produkten, die nur aus einer Zutat bestehen, manchmal nicht gerecht. Ein Beispiel: Olivenöl würde wegen seines Fettanteils von nahezu 100 Prozent eine schlechte Bewertung erhalten. Dabei besitzt es vorteilhafte ungesättigte Fettsäuren, die jedoch beim Nutri-Score nicht berücksichtigt werden. Entsprechend bemängelt der Lebensmittelverband Deutschland, dass Pflanzenöle, ungesüßte Früchte- und Kräutertees sowie Vollkornprodukte zwar zu einer ausgewogenen Ernährung gehören, jedoch im Algorithmus des Nutri-Score nicht ausreichend berücksichtigt seien. Der Bundesverband für Naturkost Naturwaren (BNN) sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf, weil Bio-Lebensmittel, "die gesünder und nachhaltiger sind, durch den Nutri-Score benachteiligt" würden. Ein Beispiel: Bio-Apfelsaft werde mit einem gelben "C" bewertet, eine Cola light hingegen mit einem grünen "B" - obgleich der Bio-Apfelsaft ernährungsphysiologisch deutlich wertvoller sei.

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11.07.2019   Tiefkühlwirtschaft spricht sich für Nutri-Score aus
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