17.07.2026

CATCH: Fehlende Kompatibilität belastet Weißfisch-Importe

Mehrere Tage lagen zwei Frachtschiffe, beladen vor allem mit mehreren tausend Tonnen Alaska-Seelachs (Gadus chalcogrammus), vor der niederländischen Küste fest. Der Grund: Die Daten, die von der seit Anfang 2026 operativen digitalen EU-Plattform CATCH verlangt werden, um den Fisch in die Europäische Union zu lassen, konnten aus technischen Gründen nicht verarbeitet werden, schreibt heute Fish Information & Services (FIS). Nach Intervention US-amerikanischer Regierungsvertreter durfte ein erstes Schiff seinen Fisch in IJmuiden löschen. Angesichts der Problematik erhob die US-Botschaft formal Beschwerde bei der EU und verhandelte mit der EU-Kommission. Das Ergebnis: Die eigentlich am 10. Juli 2026 ausgelaufene Übergangsfrist beim CATCH wurde für die USA und sechs weitere Staaten bis zum 30. November 2026 verlängert.

Ursache des Problems sind keine eventuellen Versäumnisse bei der Rückverfolgbarkeit des Fisches, keine fischereilichen Defizite, sondern technische Probleme: Die digitalen Zertifikate aus Nordamerika und die neue europäische Plattform können die von der EU verlangten Daten nicht automatisch austauschen. Das heißt: In allen Fällen, in denen Zertifikate nur physisch, also in Papierform, oder in nicht kompatiblen digitalen Formaten vorliegen, müssen die EU-Importeure jedes einzelne Datenfeld von Hand ausfüllen. Ein einzelnes Frachtschiff kann jedoch eine Ladung transportieren, die von Dutzenden Fangschiffen stammt, mit Fisch, der von unterschiedlichsten Fangtagen stammt und in zahlreichen Betrieben an Land verarbeitet worden ist. Wenngleich CATCH die Angabe von mehreren Fangschiffen in einer Erklärung erlaubt, müssen sämtliche Daten geliefert werden, darunter Schiffsname, Registrierungsnummer, Fangmenge und die exakten Daten jeder Charge. Ein einziges inkonsistentes Datum kann die Übermittlung der Bescheinigung verhindern. Sprecher der Fischindustrie in Alaska teilten mit, dass große Ladungen die manuelle Eingabe tausender Daten erforderten. In der Praxis, so die Kritik, fungiere CATCH damit als ein nontarifäre Handelshemmnis.

Dabei handele es sich nicht um ein lokales Problem, das auf die niederländischen Häfen beschränkt sei. Ein Blick auf die Bedeutung von Alaska-Seelachs für Europas Fischindustrie macht das deutlich. Für die drei Jahre 2024-2026 gewährt die Europäische Union im Rahmen einer jährlichen autonomen Zollquote 340.000 t gefrorenem Alaska-Seelachs – Filets und Blöcken – einen Zoll von 0 %. Das umfasse noch nicht Alaska-Seelachs aus Russland oder Weißrussland. Die Vorfälle in den Niederlanden haben zwar keine sofortigen Engpässe bei dem Fisch zur Folge. Doch die Verzögerungen bei der Zollabfertigung führen zu zusätzlichen Schiffsliegegeldern, nicht geplanten Kühlhauslagergebühren, zusätzlichen Frachtumschlagskosten und Störungen im Landverkehr. Unternehmen sind gezwungen, für die Klärung der von der Plattform entdeckten Unstimmigkeiten zusätzliches Verwaltungspersonal abzustellen. Die Verarbeiter wiederum haben angesichts dieser logistischen Unsicherheiten Schwierigkeiten bei der Produktionsplanung. Es bleibt abzuwarten, ob bis zur Deadline 30.11.2026 eine Harmonisierung des Datenaustausches gelingt.
CATCH: Fehlende Kompatibilität belastet Weißfisch-Importe
Foto/Grafik: Bernhard Fuchs, NYK Virgo/Wikipedia)
CATCH, das digitale Informationssystem zur Verhinderung von IUU-Fischerei, ist seit dem 10. Januar 2026 in Kraft. Doch bis heute funktioniert der digitale Datenaustausch mit einigen Einfuhrländern nicht. Foto (Symbolbild): Containerfrachtschiff vor Cuxhaven.
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