26.10.2016

Schleswig-Holstein: Miesmuschelfischerei erhält MSC-Zertifikat

Schleswig-Holsteins Muschelfischer haben gestern für ihre Miesmuschelfischerei im Wattenmeer des Landes ein Zertifikat des Marine Stewardship Councils (MSC) erhalten, teilt der MSC mit. Landesumweltminister Dr. Robert Habeck überreichte die Urkunde in Kiel in Anwesenheit von Umweltorganisationen und der Nationalparkverwaltung. "Die Bedingungen der MSC-Zertifizierung bestätigen den Weg, den wir gemeinsam mit Fischern und Naturschutzverbänden mit der Eckpunktevereinbarung im letzten Jahr begonnen haben", sagte Habeck. An der im Sommer 2015 gefundenen Einigung, der "Eckpunktevereinbarung zur Miesmuschelkulturwirtschaft im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer", sind neben den Fischern die fünf Umweltorganisationen Schutzstation Wattenmeer, NABU, Verein Jordsand, Landesnaturschutzverband und WWF sowie das Land Schleswig-Holstein beteiligt. WWF-Vertreter Hans-Ulrich Rösner begrüßte die Zertifizierung: "Die Muschelfischerei wird im Nationalpark Wattenmeer in Schleswig-Holstein erheblich verringert und so endlich vereinbar mit dem Schutz dieses wertvollen Gebietes."

Was faktisch als Kompromiss bezeichnet werden muss, bewertet Peter Ewaldsen von der Erzeugerorganisation schleswig-holsteinischer Muschelfischer: "Um nach jahrzehntelangen Querelen an den heutigen Punkt zu gelangen, brauchte es ein Geben und Nehmen aller Beteiligten. Jetzt haben wir mit der Eckpunktevereinbarung 15 Jahre Planungssicherheit und mit dem MSC-Siegel den Beweis, dass wir nachhaltig arbeiten." Die Miesmuschelfischerei ist in Zukunft nur noch auf etwa 12 Prozent der Fläche des Nationalparks zulässig, während es bislang gut 50 Prozent waren. Die Fläche der Muschelkulturbezirke wurde von 2.300 Hektar um 26 Prozent auf 1.700 Hektar reduziert. Davon dürfen maximal 300 Hektar für Saatmuschelgewinnungsanlagen genutzt werden. Deren Fläche war bisher nicht begrenzt. Umweltschonender agieren die Fischer auch in technischer Hinsicht. Die für die Ernte eingesetzten Muscheldredgen der schleswig-holsteinischen Erzeugergemeinschaft sind mit einer dicken Schicht hängender Gummistreifen versehen, die die Auswirkungen auf den Meeresboden reduzieren sollen. Etwaiger Beifang wie Seesterne oder Krebse wird von einem eigens dafür abgestellten Fischer an Bord aussortiert und ins Meer zurückgeworfen.

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20.11.2013   Chile: Muschelfischerei erste Fischerei des Landes mit MSC-Zertifikat
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