12.08.2010

Krabbenfischerei: Pilotprojekt erarbeitet Einsparpotentiale

Deutschlands Krabbenfischer leiden seit Jahren unter der Kombination von niedrigen Erzeugerpreisen bei gleichzeitig drastisch steigenden Betriebskosten. Im Rahmen eines 2008 begonnenen Projektes der Fachhochschule Kiel wurde am Dienstag in Büsum Energie sparende neue Technik vorgestellt. FH-Professor Dr.-Ing. Constantin Kinias hatte sieben Fischer - fünf auf der Nordsee, zwei auf der Ostsee - für die Studie gewonnen und den Energieverbrauch ihrer Schiffe gemessen. Ein Schiffsdiesel beispielsweise verbrauche zwischen 25 und 35 Litern pro Stunde. Mit Hilfe einer neuen Baumkurre, die auf Rädern - nicht wie traditionell üblich auf Kufen - läuft und deren Durchmesser verkleinert ist, können zwölf Prozent Energie gespart werden, sagte Ingenieur Jan Hennke. „Auf den Tag gerechnet, hat man die Investition dieser neuen Kurre schnell wieder drin“, betonte Prof. Kinias. Das gelte auch für einen neuen Krabbenkocher, der die Abgaswärme zum Erhitzen des Wassers nutzt. Ein getesteter Prototyp verbrauche im Vergleich zum herkömmlichen Modell bis zu 80 Prozent weniger Energie. Bei einer Ersparnis von 60,- bis 80,- Euro pro Tag rentiere sich die Investition von etwa 4.000,- Euro schnell, zitiert die Norddeutsche Rundschau den Wissenschaftler.

Die Krabbenfischer würden offensichtlich jedoch gerne in gänzlich neue Schiffsbauten investieren. Im Durchschnitt seien die 250 deutschen Krabbenkutter 30 Jahre alt, heißt es in den Kieler Nachrichten. Doch Geld für Investitionen haben die Fischer nicht. „Oben modernisieren wir und der Rumpf bleibt doch der alte. Unsere Modelle sind am Ende“, sagt Klaus-Dieter Voß, Fischer aus Friedrichskoog. Die Konkurrenz aus Dänemark und Holland würde ihre Flotte mit Hilfe von Abwrackprämien erneuern. In Deutschland hingegen würden Fördergelder nur für Modernisierungen, nicht aber für Neubauten genehmigt, erklärt Martin Momme, Fischereireferent im schleswig-holsteinischen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MLUR).

Für das Projekt „Modernisierung der Garnelenkutter- und Ostseekutterflotte unter dem besonderen Aspekt der Energieeffizienz“ hatte das Forschungs- und Entwicklungszentrum der Fachhochschule Kiel vom Land Schleswig-Holstein Fördergelder in Höhe von 620.000,- Euro erhalten. Die Gelder stammen aus dem Zukunftsprogramm Fischerei im Rahmen des Operationellen Programms EFF 2007-2013 der Europäischen Union. Projektpartner der Fachhochschule sind Knud Bußmann und Joachim Dettmann von der Landesvereinigung der Erzeugerorganisationen für Nordseekrabben- und Küstenfischer an der schleswig-holsteinischen Westküste sowie Dr. Elke Horndatsch-Petersen und Lorenz Marckwardt vom Landesfischereiverband Schleswig-Holstein in Kiel.
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