28.01.2022

Offshore-Energiegewinnung: Co-Nutzung könnte Konflikte mit Fischerei mildern

Der massive Ausbau erneuerbarer Offshore-Energien wird große Flächen in allen europäischen Meeren beanspruchen. "Die sich verschärfenden Konflikte um knappe Flächen haben weitreichende Auswirkungen auf die Fischerei und die Verfügbarkeit von Fanggründen", konstatiert das Thünen-Institut. Deshalb hat jetzt eine Forschergruppe um Dr. Vanessa Stelzenmüller vom Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven in einer aktuellen Studie erstmals die Überschneidungen von bestehenden und geplanten Offshore-Energie-Standorten mit den Fanggründen der Fischerei ermittelt. Denn langfristig werde der Ausbau der Windkraft in der Nordsee ca. 60.000 km2 und in der Ostsee 20.000 km2 betreffen. Das entspricht einer Ausweitung um den Faktor 16 gegenüber der aktuell für Windkraft genutzten Fläche von rund 5.000 km2 in der Nordsee und kaum nennenswerten Flächen in der Ostsee. Auch in den anderen europäischen Meeren – der Keltischen See, der atlantischen Region und dem Mittelmeer – sehen die Planungen insbesondere nach 2025 deutliche Zunahmen in der Flächennutzung zur Energiegewinnung vor.

In der Thünen-Studie werden Synergiemöglichkeiten vorgestellt. Denn in den meisten Windkraft-Arealen darf nicht oder nur sehr eingeschränkt gefischt werden. Es komme "demnach für die Fischerei zu teilweise dramatischen Verlusten von Fanggebieten", urteilen die Thünen-Wissenschaftler. Betroffen sei vor allem die Schleppnetzfischerei auf bodennah lebende Arten und Arten im freien Wasserkörper. Während bislang viele Raumplanungsprozesse häufig die Fischerei vernachlässigten, urteilt Vanessa Stelzenmüller: "Wollen wir der Fischerei im Konflikt um den knappen Meeresraum eine Chance geben und so auch zukünftig eine nachhaltige Nutzung der Fischbestände ermöglichen, dann müssen wir ihre Interessen in der maritimen Raumplanung berücksichtigen." Sie schlägt eine Co-Nutzung von Offshore-Windparks vor: "Speziell gestaltete Fundamentkonstruktionen könnten eine stationäre Aquakultur erlauben oder Fischer könnten nach Schutz- und Nutzungsabwägung mit Fangkörben und verschiedenen Formen von Fischfallen sogenannte passive Fischereien ausüben, von denen keine Risiken für die Anlagen ausgehen." Eine derartige Co-Nutzung solle im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung angesprochen werden.
Offshore-Energiegewinnung: Co-Nutzung könnte Konflikte mit Fischerei mildern
Foto/Grafik: Dionysos1970/Wikicommons
Der Ausbau der Offshore-Windkraft wird zu dramatischen Verlusten für die Fischerei führen. Eine Co-Nutzung der Energiegewinnungsflächen durch die Fischerei könnte die Einbußen der Fischer abmildern. Foto: der Offshore-Windpark Meerwind Süd-Ost.
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